Kaukasischer Löwenzahn

„Der Zufall trifft nur auf den vorbereiteten Geist“, dies ist das Leitmotiv von Fred Eickmeyer, Pflanzenzüchter aus Steinach und Geschäftsführer der Aeskulap GmbH. Die vorbereiteten Geister waren Jugendliche des Zukunft jetzt e.V., die vor einem Jahr nach einem Projekt suchten, mit dem sie bei Jugend forscht teilnehmen könnten. Auf jeden Fall sollte die Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen, das war klar. Wollten die Jugendlichen tradierte Apfelsorten untersuchen und Gene retten oder lieber herausfinden, wie das Chlorophyll in Pflanzen funktioniert? Interessant wäre es auch zu erforschen, in wie weit Pflanzen zur Wärmedämmung an Altbauten beitragen können. So wurde hin und her überlegt, Äpfel probiert, gegoogelt, gelacht und ein Thema nach dem anderen verworfen. Bis der Zufall in Person des Ehepaar Eickmeyer erschien. Damit war es klar: Die Jugendlichen wollten herausfinden, ob Nacktschnecken tatsächlich eine ausgesprochene Vorliebe für kaukasischen Löwenzahn haben.

Dass die spanischen Wegschnecken in den 1960iger Jahren wahrscheinlich aus Frankreich zu uns einwanderten, ist den Gartenfreunden vielleicht bekannt. Den kaukasischen Löwenzahn selektiert Fred Eickmeyer seit drei Jahren als nachwachsenden Rohstoff. Der Korbblütler liefert Kautschuk, dessen Produktion in Südamerika durch Pilzbefall erheblich zurückgegangen ist. Die Plantagen in Asien sind gefährdet, durch den Einsatz von Fungiziden ist hier aber eine Ernte noch möglich. Der kaukasische Löwenzahn soll nun dafür sorgen, dass Fahrräder, Autos und Flugzeuge weiterhin gut bereift sind und auch im OP Latexhandschuhe zur Verfügung stehen. Der Löwenzahn stellt wenige Ansprüche an den Boden, er kann auf brachliegenden Flächen angebaut werden und ist damit eine umweltverträgliche Alternative zu den Baumplantagen. Aber die Schnecken haben diesen nachwachsenden Rohstoff ebenfalls für sich entdeckt und kommen in lassen für ein Festmahl auf das Feld geschleimt. Das war die Alltagsbeobachtung. Nun sollte der wissenschaftliche Beweis erbracht werden. Trügt das Auge des Pflanzenzüchters Eickmeyer oder flitzen die Tierchen am heimischen Löwenzahn tatsächlich vorbei, wenn ihnen der Duft des kaukasischen Gewächses in die feine Nase steigt?

Sarah, Matthias und Philipp machten sich an die Arbeit. Unterstützt von der Projektbetreuerin Karin Bulter (Dipl.-Sozialpäd. (FH)) wurde im vergangenen Frühjahr Löwenzahn ausgesät. Dann bauten die Jugendlichen verschiedene Versuchsanordnungen. Mit viel Geduld fanden sie schließlich eine Lösung, bei der eine eindeutige Zuordnung der Laufwege zum einen und zum anderen Nahrungsangebot möglich war. Damit waren auch die nächtlichen Ausflüge der Versuchstiere im elterlichen Wohnzimmer unterbunden. Denn das Projekt erbrachte auch unbeabsichtigte Lerneffekte: Die Schnecken waren wesentlich mobiler als zunächst angenommen. Da sie nachtaktiv sind, war nun von den Jungforschern Nachtarbeit gefordert. Jedes Versuchstier musste einzeln auf den angefeuchteten Parcours geschickt werden.

Der nächste Schritt brauchte ein gutes Netzwerk: Wie genau sollte die statistische Berechnung gemacht werden? Dank einiger Unterstützerinnen und Unterstützer wurde schließlich die richtige Formel gefunden und die wissenschaftlich korrekte Berechnung damit gesichert. Zum Durchhalten trugen nicht zuletzt die selbstgebackenen Zimtschnecken der Projektbetreuerin bei. Und das Ergebnis war zukunftsweisend: Nacktschnecken wählen signifikant häufiger kaukasischen Löwenzahn und verschmähen den einheimischen.

Im Februar 2014 stellte das Team schließlich seine Arbeit beim Regionalwettbewerb von Jugend forscht in Passau vor. Die Freude der jungen Leute war riesig, denn sie hatten sich den ersten Platz im Fachgebiet Biologie erarbeitet.

Dadurch qualifizierten sich die JungforscherInnen für den Landeswettbewerb in München im April 2014. Dort erreichten sie den zweiten Platz und drei Sonderpreise:

  • Sonderpreis Wasserforschung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • Sonderpreis Forschungspraktikum an der LMU München, Biologie
  • Sonderpreis des Lions Club Pfaffenhofen/Hallertau für Ökologie

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